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Strategien der Visualisierung

Verbildlichung als Mittel politischer Kommunikation, Eigene und Fremde Welten 14

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783593388953
Sprache: Deutsch
Umfang: 255 S., 48 Fotos
Format (T/L/B): 1.5 x 21.2 x 14 cm
Auflage: 1. Auflage 2009
Einband: Paperback

Autorenportrait

Herfried Münkler ist Professor für Politikwissenschaft an der HU Berlin. Jens Hacke, Dr. phil., arbeitet am Hamburger Institut für Sozialforschung.

Leseprobe

Einleitung Herfried Münkler So sind wohl mache Sachen, Die wir getrost belachen, Weil unsere Augen sie nicht sehn. Matthias Claudius Nicht der Armen Schlechtigkeit Hast Du mir gezeigt, sondern Der Armen Armut Zeigtet ihr mir den Armen Schlechtigkeit So zeige ich euch der schlechten Armen Leid. Bertolt Brecht Visualisierung und Visibilität bezeichnen gesellschaftliche und politische Sichtbarkeitsverhältnisse. Dabei geht es einerseits um das berühmte Sehen und Gesehen werden, das in einer bekannten lateinischen Sentenz den römischen Damen als Motiv ihrer Theaterbesuche zugeschrieben wurde und das hier als ein Modus gesellschaftlicher Ordnung ins Auge gefasst wird. Andererseits braucht es zu diesem Zwecke Orte der Übersichtlichkeit, an denen man sich zeigen und zugleich die anderen beobachten kann: aus Gründen der gesellschaftlichen Distinktion, der Konkurrenz, aber ebenso auch der Solidarität und der Fürsorglichkeit. Es bedarf darum der Orte bzw. Medien von Visibilität, die als Generatoren gesellschaftlicher Selbstvergewisserung dienen. Solche Orte bzw. Medien der Visibilität sind freilich nicht als bloße Spiegel anzusehen, in denen sich zeigt, was in die Reichweite des Spiegels gerät, sondern bei ihrer Analyse ist vor allem auf jene zu achten, die sich um die Aufstellung und Ausrichtung der gesellschaftlichen und politischen Spiegel bemühen. Sie sind es, die diese Spiegel wie Scheinwerfer benutzen, um bestimmte Personen und Gruppen sichtbar zu machen oder auch andere im Dunkeln zu belassen. Dabei kann zunächst offenbleiben, ob dieses Sichtbar-Machen oder Im-Dunkeln-Lassen deren jeweiligen Interessen entspricht oder ihnen entgegen ist. Im Unterschied zu dem in der modernen Debatte allgegenwärtigen Begriff der Transparenz bezeichnet Visualisierung, aber durchaus auch Visibilität, keine strukturelle Ordnung der Sichtbarkeit bzw. Durchsichtigkeit, sondern hebt auf gesellschaftliche Praktiken und politische Strategien ab. Es geht um Macht und Machtgebrauch, die durchweg mit dem Sehen und Gesehenwerden verbunden sind. Während die Leitvorstellung der Transparenz darauf abzielt, Macht unter Kontrolle zu bringen, gehen die sehr viel stärker deskriptiv als normativ ausgelegten Begriffe Visualisierung und Visibilität davon aus, dass politische Macht und gesellschaftlicher Einfluss aufs Engste mit der politischen und gesellschaftlichen Ordnung der Sichtbarkeit verbunden sind. Transparenz und Visualisierung bezeichnen entgegengesetzte Pole der Sichtbarkeitsverhältnisse in Politik und Gesellschaft. Transparenz ist dabei zum Schlagwort im politischen Diskurs geworden; Visualisierung und Visibilität sind dagegen politikanalytische Begriffe, die nicht normierend, sondern kritisch an die Verhältnisse herantreten. Visualisierung kann als die Sichtbarmachung von etwas ansonsten Unsichtbarem begriffen werden, was bei religiösen Praktiken etwa der Fall ist; es kann sich dabei aber auch um das In-den-Mittelpunkt-Stellen oder Ins-rechte-Licht- Rücken einer Person bzw. einer Sache handeln, die sonst eher unbeachtet bliebe. Schließlich kann es sich dabei auch um Techniken und Verfahren einer Kultur handeln, durch die Texte oder Partituren auf die Bühne gebracht werden, um sichtbar bzw. hörbar zu sein: also um Schauspiel und Oper. Dabei kann Visualisierung herrschaftsrepräsentativ sein, aber sie kann auch die Funktion der Destruktion einer politischen und sozialen Ordnung haben. Zeigen bzw. Sichtbarmachen kann der Stabilisierung von Herrschaft dienen und der Perpetuierung einer Ordnung förderlich sein; es kann aber auch etwas aufdecken, was in herrschaftstechnischer Hinsicht besser verborgen geblieben wäre. Im einen Fall geht es um architektonische Monumente, Paläste, Standbilder, prachtvolle Einzüge oder Feste, im anderen dagegen um die Aufdeckung von etwas, das im Verborgenen bleiben soll, also um ein Ans-Licht-Zerren von geheimen Praktiken. Hier handelt es sich dann um Akte der Profanierung, auch der Aufklärung, schließlich der Ent

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Eigene und fremde Welten

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