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ANNE DUFOURMANTELLE

 

 

Anne Dufourmantelle, Tochter eines englisch-schweizerischen Vaters und einer französischen Mutter, verbrachte als Kind einige Jahre in Spanien und später auch in Mittelamerika. Hier wurde Spanisch zu ihrer Lieblingssprache. Diese Stationen ihrer Jugend weckten ihr Interesse an Exilliteratur und Denkern, die andere Grenzen überschreiten. Nachdem sie ihr Abitur mit Bestnoten absolviert hatte, entschied sie sich für ein Studium der Medizin und Philosophie in Paris. 1993 promovierte sie an der Sorbonne. Ihre Dissertation mit dem Titel La vocation prophétique de la philosophie (Die prophetische Berufung der Philosophie) beschäftigte sich mit Søren Kierkegaard, Friedrich Nietzsche, Emmanuel Levinas und Jan Patočka. Einige Jahre später wurde ihre Arbeit von den Éditions du Cerf veröffentlicht, und sie erhielt den Preis der Académie Française für Philosophie.

Während ihres Studiums an der Sorbonne verbrachte sie ein Jahr an der Brown University in den USA. Dort übersetzte sie Nelson Goodmans Languages of Art und schrieb einen Aufsatz mit dem Titel The Structure of Appearance, auf dessen Grundlage sie nach der Rückkehr nach Frankreich an der École Nationale Supérieure d’Architecture de Paris La Villette für fünf Jahre ein Seminar zum Thema Ästhetik und „Thinking Architecture“ hielt. Danach war sie als Verlegerin für Calmann-Levy tätig, wo sie für Literatur auf dem Gebiet der Philosophie zuständig war und mehr als 50 Bücher betreute. Dann übernahm sie dieselbe Funktion bei Stock (ebenfalls bei Hachette).

Nach ihrer Promotion entschied sie sich, sich der Psychoanalyse zuzuwenden, statt Philosophie zu unterrichten. Sie veröffentlichte Bücher wie La sauvagerie maternelle („Die mütterliche Gewalt“) und La femme et le Sacrifice („Die Frau und das Opfer“).

Lob des Risikos. Ein Plädoyer für das Ungewisse

Aufbau Verlag 978-3-351-03732-1 , 20,00 €

 

Das Risiko ist der alles entscheidende Augenblick.“ Anne Dufourmantelle.

Im Risiko, im Unvorhersehbaren liegt eine ungeahnte Kraft. Wenn wir etwas wagen, ohne zu wissen, wo es uns hinführt, können wir nur gewinnen: Handlungsräume, Kreativität und Selbstbestimmung. Das größte Risiko unseres Lebens ist und bleibt die Liebe. Die Philosophin und Psychoanalytikerin Anne Dufourmantelle hat stets nach dieser Maxime gelebt. Als sie im Sommer 2017 zwei Kinder vor dem Ertrinken rettete, hat sie ihr eigenes Leben riskiert – und verloren. Dieses Buch ist ihr Appell, die Fenster aufzureißen, um das Ungewisse in unser Leben zu lassen.

Hanimann sagt über dieses Buch im Deutschlandfunk: Das ist im Grunde ein Stück Schizophrenie in unserer Situation. Auf der einen Seite eben: Es kann nie sicher genug sein – Versicherungsgesellschaften verdienen sehr viel Geld mit diesem Reflex, immer auf Nummer Sicher zu gehen. Aber wahrscheinlich gerade dadurch, dass man praktisch die Leere dahinter spürt, wenn für alles vorgesorgt ist, wenn alles vorgeplant ist, abgesichert. Was ist dann Leben überhaupt, lohnt es sich überhaupt dann noch zu leben? Wird man dann nicht ein Apparat, der sich praktisch so abspult bis zu seinem Ende. Und daher gleichzeitig das Suchen nach riskanten Erfahrungen – weiß ich was: im Paddelboot über ein Meer fahren oder sich in die Wüste irgendwie aussetzen, die ganzen Absicherungsmechanismen unseres Alltags kappen und sehen, wie weit man es bringt. Also diese beiden Pole, die wir nicht mehr zusammenbringen in unserem Leben, die wir beide spüren permanent, die versucht sie reflektierend wieder zusammenzubringen, indem sie im Grunde das eine und das andere Extrem – absolute Sicherheit und frivole Sprünge ins absolut Außerordentliche – untergräbt und eine alltägliche Risikobereitschaft zurückfindet.

„Ihre Worte, ihre Intelligenz, ihre Sanftheit werden uns fehlen, weil sie uns halfen, das Risiko einzugehen, sich anderen und der Welt gegenüber zu öffnen.“ Libération.

„In ihren Arbeiten verband Dufourmantelle auf vornehmste Art philosophisches Denken mit gesellschaftlicher Realität.“ Süddeutsche Zeitung.

 

Bei Brinkmann & Bose sind bisher zwei Bände ihrer Werke in sehr schönen Ausgaben erschienen:

 

Blind date

978-3-940048-37-0 24.- €

Blind date so heißt ein Rendezvous zwischen zweien, die sich nicht kennen und bereit sind, einander zu lieben, organisiert durch einen Dritten, der beide kennt und nicht dabei ist. Auch dies Zusammenkunft beginnt also mit dem Staunen, wie die Philosophie, hofft der Seele zu dienen. Sex und Philosophie meiden sich freiwillig seit jeher, wer weiß...vielleicht weil sie dieselbe Natur haben, beide sind sie die Verwirklichung des Wesentlichen: des Begehrens und der Kontemplation.

 

Macht der Sanftheit

978-3-940048-38-7 20.- €

 

Sanftheit ist rätselhaft. In der doppelten Bewegung von Empfang und Gabe begriffen, erscheint sie auf der Schwelle jener Passagen, die von Geburt und Tod gezeichnet sind. Weile sie eine graduelle Intensität hat, ist sie eine symbolische Kraft; weil sie fähig ist, die Dinge und Wesen zu transformieren, ist sie eine Macht.

 

Im Herbst 2021 wird noch folgendes Buch bei Brinkmann & Bose erscheinen:

 

Im Fall der Liebe

978-3-940048-42-4

Es handelt sich um Protokolle über außergewöhnliche und abweichende Erfahrungen der Analyse, in Form einzelner Fallgeschichten. Immer, wenn es um Wiederholung und Geheimnis geht, wird der direkte Draht zur Philosophie hergestellt. Es sind Randgänge der Psychoanalyse.

 

Anne Dufourmantelle sagte über sich selbst: „Ich bin schon immer gleichermaßen auf zwei Gebiete fokussiert, Philosophie und Psychoanalyse, wobei eine sehr leidenschaftliche Verbindung zur Literatur meine wichtigste Inspirationsquelle für Arbeit und Leben ist.“

 

Die Übersetzung ihres 168-seitigen Essays „Verteidigung des Geheimnisses“ (Diaphanes 2021) erreichte auf Anhieb Platz 9 der Sachbuchbestenliste September 2021. Es geht darin um die "Schutzmauer, Quelle innerer Freiheit", die die Verteidigung der Privatsphäre gemäß ihr bedeutet.

 

ANNE DUFOURMANTELLE.

DIE VERTEIDIGUNG DES GEHEIMNISSES

Diaphanes Verlag 2021, 20.00 €

 

Muss man alles zeigen, alles sehen, sagen und kennen? Angesichts eines immer blinderen ­Vertrauens in den Nutzen von Wissen und Information und entgegen der scheinbar unabweisbaren Forderung nach Trans­parenz auf allen Gebieten, verteidigt Anne Dufourmantelle das Geheime, das Verborgene, das Ungewusste und Rätselhafte als unverzichtbare Ressource menschlicher Existenz. Ebenso behutsam wie eindringlich entwirft sie Elemente einer Ethik des Geheimnisses im Spannungsfeld von gesellschaftlicher Kontrolle und privater Sphäre jedes Einzelnen.

Anne Dufourmantelles Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Geheimnis als Schutzmauer des Eigenen und lebenswichtige Quelle innerer Freiheit sowie ein Manifest für ein noch nicht entzaubertes Wissen als notwendiger Horizont einer umfassenderen Wahrheit.

Sie war Philosophin und Psychonalytikerin. Für ihre Promotionsschrift »Die prophetische Berufung der Philosophie« erhielt sie den Preis der Académie Française. Anstelle indes Philosophie zu unterrichten, wandte sie sich der Psychoanalyse zu. Zudem war sie als Programmleiterin bei mehreren renommierten Verlagen tätig. In ihren zahlreichen, ebenso allgemeinverständlichen wie brillanten Büchern thematisiert sie Fragen von Kindheit und Mutterschaft, Philosophie und Sexualität, Zärtlichkeit und Risiko.

 

Ihr früher Tod im Jahr 2017 bewegte ganz ­Frankreich, da sie bei der Rettung zweier Kinder im Mittelmeer ertrank.